Von „religiösen Hooligans“ und wahren Frommen im Heiligen Land

Von „religiösen Hooligans“ und wahren Frommen im Heiligen Land

Leben zwischen Israel und Palästina: Pater Nikodemus Schnabel im Laacher Forum
Politisch spannend war der Abschluss des Laacher Forums im Frühjahr 2016 mit Pater Nikodemus Schnabel OSB von der Abtei Dormitio im Niemandsland zwischen Israel und Palästina.

Pater Albert Sieger OSB wies bei seiner Begrüßung auf eine historische Verbindung beider Klöster hin, war „Maria Laach doch bei der Gründung der Benediktinerabtei nicht ganz unbeteiligt.“

Auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung angereist, sprach Pater Nikodemus humorvoll vom Mit- und Gegeneinander der Religionen, von Feindseligkeit und Toleranz. Sein Konvent lebt im Heiligen Land zwischen und mit einer jüdischen und palästinensischen Welt. In der Kirchengemeinde wird Englisch, Arabisch oder Deutsch gesprochen, darunter auch Familien mit einem palästinensischen Vater und einer katholische Mutter oder mit einer israelischen Mutter und einem katholischen Vater. Als Pressesprecher des Klosters, Schnabel muss immer wieder wegen negativer Ereignisse vor die Kameras, freute er sich, in Maria Laach von seinen jüdischen und muslimischen Freunden „schwärmen zu können“. Dabei ist es nicht leicht, Seelsorger zwischen den Fronten zu sein, auf der einen Seite Israel, auf der anderen Palästina. Der Benediktinerpater möchte sich nicht auf eine Seite schlagen. „Beide haben absolut Recht“, sagte er ganz diplomatisch und fügte hinzu: „Wenn ich mich auf eine Seite schlagen würde, würde ich 50 Prozent meiner Gemeinde verlieren.“ Und der Referent entwickelte ein anderes Bild: „Jerusalem ist nie bezaubernder wie vor Sonnenaufgang um 5 Uhr morgens, wenn Menschen in der Frühe im Seelenfrieden und reifer Gelassenheit vor Gott hintreten, um zu beten: Christen, Muslime und Juden, gläubige Frühaufsteher aller drei Religionen, der selbe Typ, nur anders gekleidet.“ Was für ein anderes Bild, anders als Religion und Gewalt. „Religion hat mit Gewalt nichts zu tun, das nervt mich. Wahre Religion ist Gottsuche, mit Gott ringen, zweifeln.“ Und Pater Nikodemus verglich die Religion mit einer Fußballmannschaft, deren echten Fans „die wahren Religiösen“ sind. „Hooligans haben auch was mit Fußball zu tun, doch sie missbrauchen den Fußball.“ So werde auch die Religion von „religiösen Hooligans“ missbraucht, die religiöse Symbole als Accessoires nutzen. „Wenn ich gebetet habe, habe ich kein Bedürfnis, jemanden anzuspucken“, führte der Seelsorger aus.

Die Anschlagswelle in Israel habe zu einer Solidaritätswelle unter Juden, Moslems und Christen geführt. „Hass und Gewalt wollen sie sähen. Und wir ernten Freundschaften, die wir früher nicht hatten.“ Gerade ultraorthodoxe Juden, die er als tieffromm und unpolitisch bezeichnete, suchen immer wieder den Dialog mit dem Benediktinerpater. Den Tempelberg würden Ultraorthodoxe schon aus religiösen Gründen niemals betreten. Nur Nationalreligiöse provozieren und gehen auf dem Tempelberg. Als Pater Schnabel drei sich unbeobachtet fühlende Siedlerjugendliche sah, wie sie bei jedem Glockenschlag der Kirche ausspuckten, wurde ihm klar, dass ihr Verhalten nicht nur mit Provokation zu tun hat. Vielmehr seien es „in ihrem Hass Gefangene, die aus ihrer Haut nicht heraus können.“ Nicht die wirklich Frommen sind das Problem, sondern auf Krawall gebürstete „religiöse Hooligans“, Anhänger eines national-religiösen Systems. „Beim Glaube geht es um Gott und nicht um Identitätssuche“, verdeutlichte der Benediktiner. Und er forderte mehr Verantwortung der Religionsführer ein, die sich „mit den Jugendlichen gemeinsam auf den Weg der Gottsuche“ machen sollten.
Pater Nikodemus Schnabel OSB in Maria Laach zeichnete ein spannendes Bild von Jerusalem, abseits der Medienwahrheit so, wie wir es noch nicht kennen. Eine wichtige Stimme im interreligiösen Dialog, die gehört werden sollte.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl

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