Eine Stimme für verfolge Christen in Syrien und im Irak

Eine Stimme für verfolge Christen in Syrien und im Irak

Was erleben Christen, wenn sie aus ihrer Heimat vertrieben, ihre Städte, Klöster und Kirchen vernichtet werden? Bruder Andreas Knapp – Doktor der Theologie, Priester und Dichter – verstand es im Laacher Forum, das Unbegreifliche greifbar zu machen.

Im Vortrag „Die letzten Christen“ thematisierte der Buchautor Flucht und Vertreibung im Nahen Osten. Durch seinen Besuch im Irak kam er dem Geschehen ganz nahe: „Selbst mir als Priester und Theologe war die bewegende Geschichte der Christen in Syrien und im Irak lange Zeit unbekannt. Wenn sie nun als Geflüchtete nach Deutschland kommen, müssen sie wieder schweigen: Denn noch sprechen sie unsere Sprache nicht. Und manchmal müssen die Christen in Flüchtlingsunterkünften ihre Identität verleugnen, weil sie sonst erneut Angriffen radikaler Muslime ausgesetzt sind. Es gibt eine ‚Autorität der Opfer‘, die nicht wegzudiskutieren ist.“ Bis zum Jahr 2003, so Andreas Knapp, konnten die syrisch-orthodoxen Christen friedlich in Mossul leben, bis zu jenem Tag, als die USA und Großbritannien den Irak wegen seiner Massenvernichtungswaffen angriffen: „Spätere Untersuchungsberichte zeigten, dass diese Kriegsgründe nur vorgeschoben waren. Vordergründig ging es in diesem Krieg um die Entmachtung des Diktators Saddam Hussein und den ‚Import‘ von Demokratie, untergründig aber wohl um den ‚Export‘ von billigem Erdöl.“ So kam es zum „Heiligen Krieg“ gegen die „Ungläubigen“, und „die Christen im Irak wurden für die Islamisten zum Freiwild. Da der Prophet Mohamed sowohl religiöser als auch politischer Führer war, sind im Islam Religion und Politik von Anfang an eng verwoben. Infolgedessen kann auch der Krieg eine religiöse Dimension bekommen. In der Wahrnehmung vieler Muslime sind die westlichen Länder ‚christliche‘ Staaten. Und wenn man von diesen angegriffen wird, so werden die Christen im Nahen Osten als Kollaborateure und Verbündete der Amerikaner und Briten verdächtig.“ Verschlimmert hatte sich die Situation auch durch die Worte George W. Bushs, der seinen „ölverschmutzten Krieg“ einen „Kreuzzug“ nannte. So wurden die Christen im Irak, die sich an keinem einzigen Kreuzzug beteiligt hatten, „in Sippenhaft genommen und mit Terror überzogen. Sie wurden zu Sündenböcken, an denen man die Aggression der ‚christlichen Besatzer‘ (sprich- Soldaten der USA) rächen konnte.“ Die von Christen erpressten Schutzgelder, die im Koran geforderte Sondersteuer „Dschizya“ erlaubt Christen eine eingeschränkte Religionsausübung, wurden immer höher. So berichtete ihm Yousif, der bis zum Jahr 2003 als syrisch-orthodoxer Christ friedlich mit seiner Familie in Mossul lebte. Im Laacher Forum erzählte Andreas Knapp Yousifs Fluchtgeschichte. „Ich werde dir den linken Arm abhacken“, drohte ihm ein anonymer Anrufer. Anfangs reagierte Yousif cool und legte nach einem „versuch es“ auf. Als ihm jedoch wenige Tage später am Telefon gesagt wurde, „wenn du in drei Tagen nicht verschwunden bist, fährst du zur Hölle“, war ihm klar, dass er mit seiner Familie ins autonome Kurdengebiet flüchten musste. Viele Familie flohen: „Mossul war das Zentrum der Christenheit. Im Irak gab es 500 Kirchen, doch immer mehr der gut gebildeten Ureinwohner emigrierten. Die Anschläge von Al Kaida auf Kirchen und Kirchgänger häuften sich. Christliche Mädchen wurden vergewaltigt“, Menschen – ob Kinder, ob Alte – wurden enthauptet. „Imame forderten dazu auf, Ungläubige zu töten“, berichtete Andreas Knapp, der sich selbstkritisch fragte: „Warum hatte ich mich als Priester so wenig für das Schicksal der Christen interessiert? Warum habe ich so wenig davon mitbekommen?“ Warum kam so wenig vom Schicksal der irakischen und syrischen Christen bei uns an? Und Knapp berichtete von den aramäischen Klöstern, deren Leistung es war, Aristoteles ins Abendland gebracht zu haben, eine Tatsache, die übersehen werde. Zwar stand Syrien im 8. Jahrhundert unter islamischer Herrschaft, doch die Mehrheit der Bevölkerung war christlich. „Je mehr sich die muslimische Herrschaft etablierte, desto mehr Druck wurde auf die Christen ausgeübt“, führte der Buchautor in der anschließenden Diskussion aus. Bruder Andreas Knapp. „Der rote Faden ist eine Blutspur. Es ist eine Märtyrerkirche. Navid Kermani, ein Moslem, hatte in seiner Frankfurter Rede auf die Christen des Ostens aufmerksam gemacht, die von ihren westlichen Glaubensgeschwistern vergessen werden, Christen, die unsere Solidarität verdienen.“

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl

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