Aiman Mazyek warb um Verständnis für Muslime

Aiman Mazyek warb um Verständnis für Muslime

„Es ist wichtig, den Dialog unter den Religionen zu fördern“, so Matthias Wilken, Geschäftsführer der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach, der Aiman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime, im Laacher Forum herzlich willkommen hieß.

Unter dem Motto „Was machen Muslime an Weihnachten?“ sprach Sascha Hellen mit Aiman Mazyek über das Leben muslimischer Mitbürger in Deutschland.

Vieles scheint Deutschen immer noch fremd, auch wenn Muslime und Christen Tür an Tür nebeneinander wohnen. „Positiv ist, dass heute mehr über den Islam berichtet wird, negativ, dass man Terroristen zu Vertretern des Islams macht“, führte Aiman Mazyek aus und meinte: „Was Leute über den Islam glauben, hat wenig mit dem Islam zu tun.“ In dieser Situation sei der Dialog sehr wichtig, der gerade mit den Kirchen gut laufe. Die muslimische Community habe ihre Sprache gewonnen. Unterstützend wirkten die Kirchen bei der Beschneidungsdebatte, und auch Muslime und Juden hatten in dieser Frage eng zusammengearbeitet. Die drei monotheistischen Religionen stehen zusammen gegen Säkularisierung und für Religionsfreiheit. Da ergab sich die Frage, ob syrische Flüchtlinge die deutsche Gesellschaft möglicherweise islamistisch radikalisieren. Aiman Mazyek: „Religiös gesehen gab es in Syrien immer einen ausgewogenen Islam. Was sie von uns unterscheidet, ist, dass sie in einer Diktatur aufgewachsen sind. Auch die Russlanddeutschen mussten sich in der Freizügigkeit erst zurechtfinden. Aber das ist weniger eine religiöse Herausforderung.“ In Syrien gab es die Trennung zwischen Religion und Staat. Allerdings räumte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime ein, dass ein mitgebrachter Antisemitismus aufgearbeitet werden müsse. Jeder vierte in Deutschland Lebende habe Migrationshintergrund, so Aiman Mazyek: „Das macht Deutschland bunt und hat das Land längst verändert, ganz selbstverständlich, ohne dass man ständig mit dem Bekenntnis herumlaufen muss.“ Andererseits gebe es auf muslimischer Seite genügend Stichwortgeber, die für ein schlechtes Image des Islam sorgen. Aiman Mazyek stellt sich in der öffentlichen Diskussion gegen eine Gleichstellung von Islam und Islamismus und wehrt sich gegen eine Verrohung und Hass, die in Anschlägen und Gewalttaten gipfeln. Was solle er als gebürtiger Aachner tun, wenn Extreme zu ihm sagen, „gehen sie zurück in ihr Land“? In dieser angespannten Situation macht sich seine Familie mehr Sorgen, als er selbst. Von Sascha Hellen auf das Kopftuch angesprochen, steht Mazyek für die „Freiheit, es zu tragen oder nicht. Meine Frau trägt kein Kopftuch, aber ich kann auch ein ganz verkappter Islamist sein.“ Und er räumte ein, dass einige Vertreter seiner Religion Frauen unterdrücken: „Diese Dinge müssen wir benennen, gerade als Moslems.“ Auch kulturelle Unterschiede, je nach Herkunftsland, machte Mazyek aus. Allerdings seien die muslimischen Bürger in einem Prozess und „die ethnische Pluralität wird zurückgehen.“ Der gemeinsame Nenner ist Deutschland, und Muslime werden immer deutscher. Unterschiede, etwa zwischen Schiiten und Sunniten, werden bestehen bleiben, wobei auch diese religiösen Ausrichtungen in einen Dialog treten können. „Wir werden uns zusammenraufen.“ Auf die Kölner Silvesternacht angesprochen, bezeichnete der Referent die Taten „als Todsünde und kriminellen Akt“ und warnte gleichzeitig, die Ereignisse im Urteil „religiös zu überfrachten“ und „alles in einen Topf“ zu werfen. „Die Taten haben eine ganze Religionsgruppe und Flüchtlinge beschämt.“ Im Diskurs mit dem Islam sollte mehr zwischen Tradition, Kultur und Religion unterschieden werden, wünschte sich Aiman Mazyek. Und was tun Moslems an Weihnachten? Viele haben einen Weihnachtsbaum und sie nutzen die freien Tage z.B. zu Vereinstreffen. Sein eigenes religiöses Leben bezeichnete der Aachener mit syrischen Wurzeln als „traditionell“ und ergänzte: „Die politische Definition lehne ich ab.“ Um die Alltagskultur deutscher Moslems besser verstehen zu können, riet Aiman Mazyek im Laacher Forum zur Begegnung: „Trauen sie sich, auf die Leute zuzugehen.“

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl

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